Schaut ihr immer noch in den Spiegel?


Schaut ihr immer noch in den Spiegel?

Letztes Jahr war ich in Sachen Fitness richtig motiviert – diszipliniert, konsequent, unerbittlich. Jeden Morgen hieß es: aufstehen, trainieren, auf gesunde Ernährung achten und mich voll und ganz auf die Ausführung konzentrieren.

Als ich Anfang September aus Deutschland zurückkam, beschloss ich bewusst, all die strengen, selbst auferlegten Regeln loszulassen. Ich wollte meine alten Gewohnheiten wieder aufnehmen, ohne Schuldgefühle oder Selbstverurteilung, Kaffee unbeschwert genießen, in Gesellschaft trinken und gelegentlich rauchen.

Nicht etwa, weil ich die Kontrolle verloren hätte, sondern gerade weil ich die Kontrolle zumindest für eine Weile loslassen wollte.

Es mag seltsam klingen, aber ich genieße die Herausforderung, mich aus dem Tiefpunkt wieder hochzuarbeiten. Es ist ein aufregendes Gefühl, klar zu sehen, wo man steht und sich zu entscheiden, wieder aufzustehen.

Der Aufstieg ist gerade deshalb so berauschend, weil der Kampf real, greifbar und unbestreitbar menschlich ist.

Seit Aschermittwoch am 5. Februar bin ich zu meiner disziplinierten Lebensweise zurückgekehrt, habe auf Alkohol, Kaffee und Rauchen verzichtet und mich wieder gesunden Gewohnheiten und strukturierten Trainingseinheiten zugewandt.

Dieses Mal jedoch habe ich eine wichtige Änderung vorgenommen: Ich habe aufgehört, in den Spiegel zu schauen.

Wer Sport treibt, kennt diese heimtückische Versuchung: mitten im Training einen Blick in den Spiegel zu werfen, um die sofortigen Ergebnisse zu überprüfen. Seien wir ehrlich, es ist eine Angewohnheit, die das Ego aufpoliert und uns versichert, dass sich unsere harte Arbeit sofort auszahlt.

Doch diese Gewohnheit verschiebt subtil unsere Motivation von disziplinierter Ausführung hin zu unmittelbarer Befriedigung und untergräbt so die tieferen Belohnungen echter Beständigkeit und langfristigen Wachstums.

Dieses Jahr habe ich mich bewusst dazu entschieden, auf diese schnelle Bestätigung zu verzichten. Kein Posieren vor dem Spiegel nach dem Training :).

Natürlich sehe ich mich hin und wieder, aber die bewusste Vermeidung macht diese flüchtigen Begegnungen selten und umso wirkungsvoller.

Wenn ich nach wochenlanger, engagierter Arbeit mein Spiegelbild erblicke, ist die sichtbare Veränderung deutlich tiefgreifender. Es ist eine tiefere Zufriedenheit, eine eindringliche Erinnerung daran, wie Disziplin und Beständigkeit still und leise zu unbestreitbarer Veränderung führen.

Die Parallelen zu Führung und Wirtschaft sind offensichtlich. Als Berater, Strategieberater oder Führungskräfte suchen wir allzu oft Bestätigung im Spiegel.

Wir sonnen uns in kurzfristigen Erfolgen, überschwänglichen Lobeshymnen oder sofortiger Anerkennung. Doch wahre Führung und bedeutsamer Erfolg hängen weniger davon ab, wie gut wir uns selbst fühlen, sondern vielmehr von dem nachhaltigen Einfluss, den wir auf andere ausüben.

In meinem Berufsleben, egal ob ich Kunden berate, Softwarelösungen implementiere oder Geschäftsprozesse optimiere, ist der wahre Maßstab für Erfolg nicht mein Spiegelbild, sondern ihres.

Habe ich meinen Kunden befähigt, besser zu arbeiten, anders zu denken und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen? Hat mein Beitrag seine Denkweise auf sinnvolle und nachhaltige Weise verändert?

Dieser Mentalitätswandel, weg von egozentrischer Bestätigung und hin zu nachhaltiger Wirkung, ist das Wesen wahrer Führung.

Disziplin, Demut und ein unermüdliches Engagement für sinnvolle Ergebnisse sind unendlich viel wichtiger als kurzfristiges Lob.

Hier also eine Herausforderung: Hört auf, in den Spiegel zu schauen. Widersteht der sofortigen Befriedigung durch unmittelbare Bestätigung.

Konzentriere dich stattdessen voll und ganz auf die tägliche Disziplin der Umsetzung und miss deinen wahren Erfolg an dem nachhaltigen Einfluss, den du auf das Leben und die Unternehmen anderer ausübst.

Das wichtigste Spiegelbild findet sich nicht in einem Spiegel, sondern im Wachstum und der Transformation derer, denen wir dienen.